Aktinische Keratose

WAS SIE ÜBER DIESE HÄUFIGSTE PRÄKANZEROSE der Haut WISSEN SOLLTEN

WAS IST DAS?

Man schätzt, dass in einem Land wie den USA jährlich 10 Millionen Personen aktinische Keratosen bekommen. Eine aktische Keratose ist auch Ihnen sicherlich schon irgendwann einmal begegnet. Der Name ist Ihnen vielleicht kein Begriff, aber die Veränderung ist sehr verbreitet. Jeder, der längere Zeit in der Sonne verbringt, läuft Gefahr, sich diese Hauterkrankung zuzuziehen, oft auch mehrmals.

Die aktinische Keratose (auch bekannt als “Lichtkeratose, solare Keratose oder senile Keratose“) ist eine Erkrankung der Haut, bei der sich Schuppen oder Krusten auf der Hautoberfläche bilden. Die Basis kann hell oder dunkel sein, aber auch hellbraun, rosa, rot oder eine Mischung aus diesen Farben aufweisen, oder sie kann dieselbe Farbe aufweisen wie die umgebende Haut. Die Schuppen oder die Kruste sind verhornt, trocken und rauh. Oft wird man eher durch eine Berührung darauf aufmerksam als mit dem Auge. Mitunter können diese Veränderungen auch jucken, stechende Schmerzen oder ein Spannungsgefühl auf der Haut verursachen. Wenn sie sich entzünden, sind sie von einem geröteten Hof umgeben. In seltenen Fällen kann die aktinische Keratose auch bluten.

Diese Hautveränderung entwickelt sich sehr langsam und erreicht meist eine Größe von 30 bis 60 mm. Im Frühstadium kann sie noch von selbst verschwinden und später wieder zurückkehren. Häufig treten mehrere Lichtkeratosen gemeinsam auf.

Die Körperstellen, die am meisten der Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind, weisen auch am häufigsten Lichtkeratosen auf, wie z.B. Gesicht, Ohren, Glatze, Hals, Handrücken und Unterarme, Schultern und Lippen. Die Hautläsionen können flach sein und eine rosa Farbe aufweisen oder über das Hautniveau hinausragen und rauh sein.

WARUM IST DIE AKTINISCHE KERATOSE GEFÄHRLICH?

Die aktinische Keratose kann der erste Schritt zur Entstehung von Hautkrebs sein. Diese Hautveränderung gilt demnach als ein Vorläufer von Krebs,also als Präkanzerose.

Bei rechtzeitiger Behandlung sind fast alle aktinischen Keratosen heilbar, bevor sie zu Hautkrebs entarten. Bleiben Sie jedoch unbehandelt, gehen etwa 2-5% dieser Veränderungen in Plattenepithelkarzinome über. Es gibt Wissenschaftler, die inzwischen die Ansicht vertreten, die Lichtkeratose sei bereits die früheste Form des Plattenepithelkarzinoms. Diese Karzinome sind normalerweise nicht lebensbedrohlich, sofern sie rechtzeitig entdeckt und in einem frühen Stadium behandelt werden. Ist das nicht der Fall, können sie sich vergrößern, in das umgebende Gewebe einwachsen und in seltenen Fällen auch Metastasen bilden, die dann innere Organe befallen.

Eine besonders aggressive Form der Lichtkeratose, die aktinische Cheilitis, tritt an den Lippen auf. Sie kann sich zu einer Art Plattenepithelkarzinom entwickeln, das rasch auf andere Körperteile übergreift.

Wenn Sie an Lichtkeratosen leiden, ist das ein Hinweis darauf, daß eine anhaltende Hautschädigung durch Sonnenbestrahlung vorliegt, die sich zu jeder Art von Hautkrebs – nicht nur einem Plattenepithelkarzinom – ausweiten kann. Je mehr Lichtkeratosen vorliegen, desto größer ist die Gefahr, daß eine oder mehrere dieser Läsionen zu Hautkrebs entarten. Es können bis zu 10mal so viele subklinische (mit dem Auge noch nicht zu erkennende) Herde vorliegen wie sichtbare Hautläsionen.

WIE SIEHT EINE AKTINISCHE KERATOSE AUS?

Hier sehen Sie die häufigsten Erscheinungsformen von aktinischen Keratosen an den Stellen, an denen sie am häufigsten auftreten. Untersuchen Sie Ihre Haut regelmäßig selbst auf Veränderungen, wie die hier gezeigten. Sollten Sie eine dieser Veränderungen bei sich feststellen oder irgendeine andere verdächtige Hautveränderung oder sich verändernde Wucherungen der Haut, gehen Sie bitte sofort zum Arzt.

Handrücken mit mehreren verdickten, roten schuppigen Flecken.

Wange und Ohr mit mehreren verkrusteten Haut-läsionen von roter bis brauner Farbe.

Sonnengeschädigte Haut auf Stirn und Glatze mit mehreren aktinischen Keratosen, hier als kleine rote Erhebungen und kleine hellbraune Krusten zu sehen.

Unterlippe mit Rissen, die mit getrocknetem Blut gefüllt sind, und große, mit Schuppen bedeckte Lichtkeratose.

WAS IST DIE URSACHE?

Fast alle Lichtkeratosen sind auf chronische Sonnenexposition zurückzuführen. Die Schädigung der Haut durch die Sonnenbestrahlung akkumuliert mit der Zeit, so daß selbst ein kurzes Sonnenbad zu der im Lauf des Lebens erworbenen Gesamtschädigung beiträgt.

Die Wahrscheinlichkeit, an aktinischer Keratose zu erkranken, ist in Äquatornähe am größten. Doch unabhängig vom Klima ist jeder Mensch der Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Etwa 80% der UV-Strahlung der Sonne durchdringt die Wolken. Diese Strahlen werden von Sand, Schnee und anderen reflektierenden Flächen zurückgestrahlt und verstärken die UV-Exposition.

Lichtkeratosen können auch nach häufiger Bestrahlung durch künstliche UV-Lichtquellen (wie z.B. in Bräunungsstudios) auftreten. In Einzelfällen wurden Lichtkeratosen auch nach häufigem Kontakt mit Röntgenstrahlen oder bestimmten Industriechemikalien beobachtet.

FÜR WEN IST DAS RISIKO AM HÖCHSTEN?

Menschen mit heller Haut, blonden oder roten Haaren und/oder blauen, grauen oder grünen Augen sind dem größten Risiko ausgesetzt. Die helle Haut enthält wenig schützendes Pigment und ist deshalb sehr anfällig für Sonnenbrand. Doch selbst Menschen mit dunklerer Haut können Lichtkeratosen bekommen, wenn sie ihre Haut ungeschützt der Sonne aussetzen.

Ein höheres Risiko besteht auch bei geschwächtem Immunsystem, z.B. nach chemotherapeutischer Krebsbehandlung, bei AIDS oder nach Organtransplantationen.

WIE VERBREITET IST AKTINISCHE KERATOSE?

Die aktinische Keratose ist die häufigste präkanzeröse Hautveränderung. Ältere Menschen sind dafür anfälliger als junge, weil die kumulative Sonnenexposition mit den Jahren wächst. Etwa 50% der hellhäutigen Menschen über 50 Jahre hatten bereits eine Lichtkeratose. Manche Experten sind der Ansicht, daß die Mehrheit der 80Jährigen an aktinischer Keratose erkranken wird.

Im Durchschnitt findet der größte Teil der Sonnenexposition vor dem 20. Lebensjahr statt. Deshalb können Lichtkeratosen auch bei jungen Menschen Anfang 20 auftreten, die sich zu häufig mit unzulänglichem oder fehlendem Sonnenschutz der Sonnenbestrahlung ausgesetzt haben.

Menschen mit geschwächtem Immunsystem, z. B. unter Chemotherpaie wegen Krebs, mit AIDS, nach Organ- und Knochenmarkstransplantation haben ein sehr hohes Risiko, aktinische Keratosen zu bekommen, die sich sehr schnell zu Krebs weiter entwickeln können.

WIE WIRD DIE AKTINISCHE KERATOSE BEHANDELT?

Es gibt viele wirksame Methoden zur Beseitigung der Lichtkeratose. Alle verursachen eine gewisse Rötung der Haut, bei manchen bilden sich auch Narben, während die Wahrscheinlichkeit hierfür bei anderen Behandlungsansätzen geringer ist. Sie und Ihr Arzt sollten gemeinsam darüber beraten, welche Behandlung für Ihre Art der Hautschädigung, Ihr Alter und Ihren Gesundheitszustand am besten geeignet ist.

KRYOCHIRURGIE / KRYOTHERAPIE

Das ist eine häufig angewandte Behandlungsform von aktinischen Keratosen. Sie ist besonders wirksam, wenn nur eine begrenzte Zahl von Läsionen vorliegt. Die Haut muß nicht aufgeschnitten werden, und es ist keine Betäubung oder Narkose erforderlich. Die Hautwucherungen werden entweder mit flüssigem Stickstoff besprüht oder mit einem Watteträger abgetupft und auf diese Weise vereist. Die Behandlung führt zu einer Schrumpfung oder Verkrustung der Wucherungen, die schließlich abfallen. Nach der Behandlung kann es vorübergehend zu örtlichen Schwellungen an der behandelten Stelle kommen. Bei dunkelhäutigen Menschen ist ein Pigmentverlust möglich.

KURETTAGE UND DESIKKATION

Diese Methode eignet sich besonders für Hautläsionen, die im Verdacht stehen, ein Hautkrebs im Frühstadium zu sein. Der Arzt entnimmt eine Gewebeprobe (Biopsie), wozu die Oberschicht der Läsion mit einem Skalpell abgetragen oder mit einer Kürette abgekratzt wird. Die Gewebsprobe wird dann im Labor auf ihre Bösartigkeit untersucht. Anschließend wird die Basis der Hautwucherung mit der Kürette abgeschabt und die Blutung mit einer Elektrokaustiknadel gestillt. Dazu ist eine örtliche Betäubung notwendig.

TOPISCHE (ÄUSSERLICH ANZUWENDENDE) MTTEL

Wirkstoffhaltige Cremes und Lösungen sind nützlich zur Beseitigung sichtbarer und unsichtbarer Lichtkeratosen, wenn zahlreiche Herde vorliegen. Der Patient benutzt die Medikamente genau nach Anordnung des Arztes, der den Behandlungsfortschritt regelmäßig überprüft. Nach der Behandlung können aufgrund der Hautauflösung Beschwerden auftreten.

Cremes oder Lösungen, die 5-Fluorouracil (5-FU) in einer Konzentration von 0,5 bis 5% enthalten, werden am häufigsten für solche topischen Behandlungen verordnet. Besonders gute Resultate erzielt man damit im Gesicht, an den Ohren und am Hals. Leichte Schwellungen und Verkrustungen sind möglich.

Bei Überempfindlichkeit gegen 5-FU oder andere äußerliche Behandlungen hat sich ein Gel mit Hyaluronsäure und dem entzündungshemmenden Wirkstoff Diclofenac als wirksam erwiesen.

Ein anderes Präparat, Imiquimod-Creme, wird von Ärzten gerne bei multiplen Keratosen verordnet. Es handelt sich dabei um eine von der amerikanischen Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA zugelassene Behandlung für Genitalwarzen, welche die Zellen zur Interferonbildung anregt. Interferon ist eine chemische Substanz, die Krebszellen und präkanzeröse Zellen abtötet.

CHEMISCHES PEELING

Bei dieser Methode wird Trichloressigsäure (TCA) oder ein ähnlicher Wirkstoff direkt auf die Haut aufgebracht. Die obersten Hautschichten schälen sich ab und werden in der Regel innerhalb von 7 Tagen durch neue Epidermis (die oberste, äußerste Hautschicht) ersetzt. Für diese Methode kann ein Lokalanästhetikum erforderlich sein. Sie kann temporär zu Hauverfärbung und –aufhellung führen.

LASERCHIRURGIE

Ein Kohlendioxid- oder Erbium-YAG-Laserstrahl wird auf die Hautläsion gerichtet, der die Epidermis und unterschiedliche Mengen tieferliegender Hautschichten entfernt. Diese fein kontrollierte Behandlung ist eine gute Lösung für Hautläsionen an kleinen oder schmalen Körperbereichen. Besonders wirksam ist sie bei Keratosen im Gesicht und auf der Kopfhaut sowie bei der aktinischen Cheilitis der Lippen. Eine örtliche Betäubung ist oft notwendig und Pigmentverlust ist möglich.

PHOTODYNAMISCHE THERAPIE (PDT)

Die PDT eignet sich besonders gut für Läsionen im Gesicht und auf der Kopfhaut. Die Hautläsionen werden vom Arzt äußerlich mit 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) behandelt. Nach 3 Stunden oder länger werden die behandelten Bereiche einer starken Lichtquelle ausgesetzt, damit die 5-ALA aktiviert wird. Diese Behandlung führt zu einer selektiven Zerstörungen der Lichtkeratosen und greift die angrenzende, gesunde Haut kaum an. Schwellungen sind allerdings häufig.

WAS KANN MAN ZUR VORBEUGUNG TUN?

Die beste Vorbeugung gegen Lichtkeratosen ist der Schutz der Haut vor der Sonnenbestrahlung. Die Skin Cancer Foundation empfiehlt allen, sich die nachfolgenden Sicherheitsvorkehrungen zur Gewohnheit zu machen:

  • Jeden unnötigen Aufenthalt in der Sonne vermeiden. Das gilt insbesondere für die Zeiten der intensivsten Sonneneinstrahlung von 10 Uhr bis 16 Uhr.
  • Schatten aufsuchen.
  • Die Haut durch Kleidung schützen. Tragen Sie einen breitkrempigen Sonnenhut, lange Hosen, ein langärmeliges Hemd, Bluse oder T-Shirt und eine Sonnenbrille mit UV-Filter.
  • Verwenden Sie Sonnenschutzmittel mit Sonnenschutzfaktor (SPF) 15 oder höher.
  • Meiden Sie Bräunungsstudios und künstliche Bräunungsmittel.
  • Setzen Sie Neugeborene nicht der Sonne aus. Babys über 6 Monate können mit Sonnenschutzmittel geschützt werden.
  • Zeigen Sie Ihren Kindern, wie sie sich vor der Sonne schützen.
  • Untersuchen Sie Ihre Haut einmal im Monat von Kopf bis Fuß.
  • Lassen Sie einmal im Jahr eine ärztliche Hautuntersuchung durchführen.

Originale Fotografien:

Pearon G. Lang, Jr., MD
und die MSKCC Abteilung der Dermatologie

Ärztliche Berater:

Rex A. Amonette, MD
David J. Leffell, MD
Perry Robins, MD

Medizinische Nachprüfung der Übersetzung:

Prof. Dr. Eckart Haneke

Eine Veröffentlichung Der The Skin Cancer Foundation

Für mehr Informationen kontaktiert bitte:

The Skin Cancer Foundation
149 Madison Ave., Suite 901
New York, NY 10016

©1993. Revidierte 2011.